AM HAUPTBAHNHOF

Allen Verantwortlichen war klar, dass für den Gelsenkirchener Bahnhof eine neue Lösung gefunden werden musste.Vor diesem Hintergrund entschloss man sich, die mitten durch die Stadt führende Anschlußbahn der Zeche Wilhelmine-Victoria durch eine neue Linienführung zu ersetzen, die Bahntrasse um fünf Meter anzuheben, alle Gleisanlagen zu erneuern sowie ein neues Bahnhofsgebäude mit respräsentativen Umfeld zu errichten.

Im ersten Schritt wurde die Wilhelminenbahn am 1. April 1897 stillgelegt und durch die neue Verbindungsbahn von Gelsenkirchen über Schalke nach Heßler in Betrieb ersetzt. Der Rückbau der Gleise ermöglichte die Anlage der Diekamp-Straße.

1899 wurde die Großbaustelle für den neuen Bahnhof eingerichet. Da auch die Unterführung der Straßenbahn ersetzt werden musste, richtete die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG eine 1,18 Kilometer lange, von der Bochumer Straße in die Weidenstraße und den Wiehagen (heute Wiehagen) abzweigende Umleitungsstrecke mit den Haltestellen „Wiehagen“, „Weiche Bockermühlstraße“ und „Schwarzbach“ ein.

Diese Umleitungsstrecke wurde in Rotthausen mit dem Gleis der Linie nach Kray und Steele verbunden. Über die spätere Rotthauser Straße und die Ahstraße erreichten die Wagen der Bochumer Linie am Neumarkt wieder die Strecke nach Schalke.

Nach umfangreichen Vorarbeiten wird am Bahnhof zwischen Februar und Juni 1904 die Bahnstrecke höhergelegt. Im Sommer 1904 wird die neue Unterführung im Zuge der Bahnhofstraße fertiggestellt.

Parallel zu den abschließenden Arbeiten am neuen Empfangsgebäude und am Bahnhofsvorplatz wurde der alte Bahnhofsbau am 15. Juli 1904 stillgelegt. Kurze Zeit später wurden die Gebäude abgebrochen.Später entstanden auf dem Gelände neue Gleisanlage der Zeche Hibernia.

Das neue Empfangsgebäude wurde am 28. September 1904 festlich eröffnet. Die Gesamtkosten des Bahnhofsumbaus betrugen rund 6 Millionen Mark. Zuvor hatte die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG zwischen dem 8. und 13. August 1904 die Straßenbahngleise unter der Brücke und auf dem Bahnhofsvorplatz fertiggestellt. Aus der Bochumer Straße kommend verlief die Straßenbahnstrecke nunmehr zweigleisig durch die Unterführung zum Bahnhofsvorplatz.

Vor dem ebenfalls neu erbauten Bahnhofshotel gab es zwei Gleisverbindungen und zwei Aufstellgleise, bevor die Strecke eingleisig in linker Seitenlage eingleisig zur Ausweiche am Neumarkt geführt wurde.

Am 14. Oktober 1904 konnte die Straßenbahn mit der polizeilichen Abnahme der Strecke ihre Arbeiten beenden.

Parallel zur Gestaltung des Bahnhofsumfeldes wurde zwischen dem am 20. September 1897 auf einem nördlich der Wilhelminenbahn an der Ahstraße eröffneten Gelsenkirchener Rathaus und dem Bahnhofsvorplatz auf der ehemaligen Zechenbahntrasse die Diekamp Straße angelegt. Im Straßenverlauf entstanden ein neues Stadtbad und mehrere moderne Wohn- und Geschäftshäuser.

Über diese neue Straße wurde 1909 die nach Essen führende Straßenbahnlinie der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft an den neuen Hauptbahnhof herangeführt. Die Endstelle der zunächst eingleisigen Strecke bestand aus einem Stumpfgleis mit Ausweiche, hatte aber keine Verbindung zu dem in der Bahnhofstraße verlaufenden Gleis der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG.