BAHNHOFSTRASSE

Abweichend zu anderen Straßen hatte man die Bahnhofstraße 1910 beim zweigleisigen Ausbau mit einem Holzpflaster befestigt. Das aus der Steiermark bezogene Lärchenholz sollte den Lärm von Pferdefuhrwerken und den mit Vollgummi bereiften frühen Kraftfahrzeugen mindern.

Das Holzpflaster brachte aber auch Probleme. In der Sommerhitze des Jahres 1914 erwärmten sich die Straßenbahnschienen weit über das übliche Maß. Da es keine Ausgleichstücke gab und das Pflaster keinen Widerstand bot, wurden die Schienen am 20. Juli aus der Straße herausgedrückt.

Um das Problem zu beheben, wurde die „Klötzgengasse“ später in üblicher Bauart neu gepflastert.

In den 1920er- und 1930er-Jahren wurden die Straßen in der Innenstadt Stück um Stück den Erfordernissen des stetig steigenden lndividualverkehrs angepasst. Ein Beispiel dafür ist die Umgestaltung des Neumarktes, bei der die ursprüngliche Grünanlage neuen Straßen- und Standflächen geopfert wurde.

Durch Taktverdichtungen nahm auch der Straßenbahnverkehr zu. Kurzum: Die Bahnhofstraße wurde für den Verkehr zu eng. 1941 musste die Straßenbahn ausweichen.

Die bis dahin teilweise noch eingleisige Verbindung vom Rathaus über die Ahstraße zum Markt wurde doppelgleisig ausgebaut. Die Trasse der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft auf der inzwischen in Hindenburgstraße umbenannten Diekamp Straße war bereits seit 1912 doppelgleisig. Auf dem Bahnhofsvorplatz entstand eine leistungsfähige doppelgleisige Verbindung für die Strecken nach Bochum und Steele.

RUND UM DAS HANS-SACHS-HAUS

Ein weiterer wichtiger Umbau in der Innenstadt wurde parallel zum Bau des Hans-Sachs-Hauses in den Jahren 1924 bis 1927 vorangetrieben: Das von dem Essener Architekten Alfred Fischer (1881 – 1950) entworfene Verwaltungs-, Geschäfts- und Hotelgebäude gilt als eines der wichtigsten Bauwerke der Moderne.

Die Stadt und die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG nutzten den durch den Neubau ausgelösten Impuls: Die seit 1909 von der Hochstraße über die enge Bankstraße zur Bahnhofstraße geführte Strecke von Bismarck und Wanne zum Neumarkt wurde aufgegeben.

Stattdessen wurden die Gleise von der Hochstraße ein kurzes Stück über die Schalker Straße (ehemals Friedrich-Strasse, heute Hansemannstraße) geführt und erreichten dann über die zweigleisig ausgebaute Marktstraße (heute Von-Oven-Straße) das Hans-Sachs-Haus. Über ein kurzes Stück der Bann-Strasse (heute Ebertstraße) ging es vom Hans-Sachs-Haus weiter zum Neumarkt.

Für die Linie nach Heßler entstand eine neue Verbindung über die Essener Straße zur Wilhelminenstraße. Die ursprüngliche Streckenführung von der Bahnhofstraße über die West- und Overwegstraße zur Wilhelminenstraße wurde aufgegeben.