ZUSCHLAG

Im Juni 1893 räumte der Stadt- und Landkreis Bochum Siemens & Halske das Recht ein, sämtliche Straßenbahnprojekte in seinem Verwaltungsgebiet zu bauen und zu betreiben. Dieser Vertrag war letztlich ausschlaggebend für die Entscheidung des Landkreises Gelsenkirchen, ebenfalls Siemens & Halske die Konzessionen zum Bau und Betrieb von Straßenbahnstrecken zu erteilen.

Am 2. Dezember 1893 erhielt Siemens & Halske die Genehrnigung zum Bau der folgenden Linien:

Schalke – Gelsenkirchen – Wattenscheid – Kreisgrenze Bochum

Neumarkt – Braubauerschaft – Bahnhof Bismarck

Hochstraße – Bulmke – Hüllen – Röhlinghausen – Wanne – Eickel

Gelsenkirchen – Kreisgrenze Essen

In der folgenden Monaten führt Siemens & Halske die notwendigen Vermessungsarbeiten durch. Auch die konkreten Pläne für das Konzessionsersuchen werden jetzt erarbeitet. Am 23. Oktober 1894 erteilt die Königliche Regierung in Arnsberg die Konzession für das Teilstück von der Stadtgrenze Wattenscheid bis Zeche Centrum, wenige Tage später, am 26. Oktober 1894, kommt auch die Genehmigung für die Stammstrecke vom Schalker Markt zur Stadtgrenze Wattenscheid.

VON SIEMENS ZUR BOGESTRA

Siemens & Halske alle mit den Konzessionen verbundenen Verpflichtungen. Allerdings: Die Straßenbahnprojekte in Bochum und Gelsenkirchen forderten von Siemens & Halske ein erhebliches finanzielles Engagement. Um die Städte und Gemeinden enger an die Straßenbahn zu binden und zugleich zusätzliches Kapital für den Straßenbahnbau zu generieren, wurde am 11. Februar 1896 in Berlin die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (spätere Kurzform BOGESTRA) gegründet. Die Städte Bochum und Gelsenkirchen traten der Gesellschaft als Aktionäre bei. Das Grundkapital der neuen Gesellschaft betrug 5 Mio. Mark.

Im Februar 1896 übernahm die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG die Konzessionsrechte von Siemens & Halske, verpachtete jedoch die Strecken rückwirkend zum 1. Januar 1896 gegen einen Pachtzins in Höhe von 6 Prozent für zunächst 5 Jahre an die Berliner Firma zurück. Siemens & Halske blieb damit für die Betriebsführung verantwortlich.

Um den 1899 geplanten Streckenausbau um rund 42 Kilometer finanzieren zu können, wurde das Grundgehalt im Jahr 1900 auf 10 Mio. Mark verdoppelt. 1901 erfolgte eine weitere Kapitalaufstockung um 3 Mio. Mark.

1907 übernahm die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG selbst die Betriebsführung der Straßenbahn in Bochum und Gelsenkirchen. Siemens & Halske zog sich aus dem Verkehrswesen im mittleren Ruhrgebiet zurück. Allerdings verpflichtete sich die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG, in den folgenden 15 Jahren alle Aufträge für Motorwagen und Fahrleitungen Siemens & Halske zu übertragen.