NACHKRIEGSJAHRE

Die Nachkriegsjahre begannen mit großen materiellen Einschränkungen. Bei der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG gab es 1947 infolge des anhaltenden harten Winters Ausfälle um bist zu 50 Prozent. Bis März fiel der Straßenbahnbetrieb oft tageweise aus. Die Wagen, die fuhren, waren hoffnungslos überfüllt: Für Hamsterfahrten und Schwarzmark-Einkäufe in den Nachbarstädten benutzten die Gelsenkirchener die Straßenbahn.

Schwierigkeiten gab es auch im Zahlungsverkehr. Um der allgemeinen Kleirıgeldnot vorzubeugen, gab die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG 1947 Wechselgeldfahrscheine aus: Fehlte dem Schaffner das Kleingeld, half er sich mit bunten Papieren, Später traten Fahrmünzen an die Stelle der Wechselgeldfahrschelrıe. Erst mit lnkrafltreten der neuen D-Mark-Währung verschwand das Ersatzgeld aus den Portemonnaies der Straßenbahn-Kunden.

1949 war auch die im Krieg zerstörte Gelsenkirchener Wagenhalle wieder aufgebaut. Nun wurden die zerstörten Fahrzeuge. sofern sie noch brauchbar waren. wieder repariert.

Die Linie 2 wurde im Mai 1950 erneut von Buer bis nach Hassel verlängert, und auch die Schnellstraßenbahn-Linie 22 nahm ihren Dienst wieder auf. Sie wurde im Mai 1958 von elner Schnellomnibus-Linie (Linie 99) abgelöst, die die an sie gestellten Erwartungen allerdings nicht erfüllen konnte. Sie wurde später eingestellt.

RAUM FÜR INNOVATION

In den nächsten Jahren werden Innovationen jeglicher Art auf der Strecke zwischen Gelsenkirchen und Bochum getestet, bevor sie flächendeckend eingeführt werden. So erprobte man 1954 sechs neuartige Fahrscheindrucker auf der Linie 2. Sie sollten dem Schaffner die Arbeit erleichtem.

Auch in den Straßenbahnzügen gab es Veränderungen: 1966 wurde die seit der Eröffnung der Straßenbahn übliche Zange der Schaffner durch einen Stempel ersetzt, mit dem die Fahrscheine jetzt entwertet wurderı. Da der Stempel Auskunft über die Linie und die Zahlgrenze gab, konnten die Fahrscheine vereinheitlicht werden.

Mit den neuen Fahrscheinen wurde die Voraussetzung für eine automatisierte Entwertung geschaffen. So konnte 19. Januar 1970 der erste „eiserne Schaffner“ auf der Linie 2 seinen Dienst antreten. Der Beruf des Schaffners war damit obsolet. Bei der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG wurden die meisten Schaffner in den folgenden Jahren zu Fahrern umgeschult.

Bis zur Vereinheitlichung des Wagenparks durch die Beschaffung der „Variobahn“ setzte die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG auf der Linie 1 und später 2 (heute 302) das jeweils modernste Fahrzeugmaterial ein. Mehr dazu bei den „GELSENKIRCHENER FAHRZEUGEN“.