ERSTER WELTKRIEG

Die Kriegserklärung Deutschlands an Rußland sorgte im mittleren Ruhrgebiet für chaotische Zustände. Der gesamte Straßenbahnverkehr kam zum Erliegen. Ein großer Teil des Personals der Straßenbahngesellschaft wurde zum Kriegsdienst eingezogen. Fahrpläne mußten ausgedünnt werden, bis zu 50 Proent der Fahrten fielen aus.

Als Schaffner halfen zunächst Schüler der höheren Lehranstalten aus. Umsteigebillets wurden nicht mehr ausgegeben, sonstige Serviceleistungen reduziert. lnsgesamt wurde im ersten Kriegsjahr 70 Prozent des Personals der Straßenbahn eingezogen. Die verbleibenden Angestellten sorgten für die Familien der in den Krieg gezogenen Kollegen.

Trotz der dramatischen Tage im Spätsommer verzeichnet der Geschäftsbericht der Straßenbahn für das Jahr 1914 noch einen glänzenden Abschluß: Der Reingewinn betrug 1.629.088, 64 Mark. An die Aktionäre wurde eine Dividende von neun Prozent ausgeschüttet.

Am 2. März 1915 meldeten die Zeitungen die Einstellung der ersten Schaffnerinnen. Sie mußten nun den Dienst der Männer bewältigen. Um den ohnehin schweren Dienst zu erleichtem, führte die Gesellschaft im September 1915 Zeitkarten mit Lichtbildern für Dauerfahrgäste ein. Soldaten wurde freie Fahrt gewährt.

lm Laufe des Krieges wurden immer mehr Straßenbahner eingezogen. Ab November 1916 wurden auf einigen Linien auch Frauen als Fahrerinnen eingestellt. Da Personal in Betriebshöfen und Werkstätten fehlte, wurden die Angestellten der Straßenbahn. aber auch die Fahrzeuge und Betriebsanlagen schonungslos ausgenutzt.

Über die Einziehung zahlreicher Haltestellen versuchte die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG im Dezember 1916, die Kosten zu reduzieren. In den meisten Fällen konnten damit auf den Linien nur jeweils ein Kurs und maximal vier Arbeitsplätze eingespart werden.

Nach Kriegsende kehrten viele Straßenbahner in das Revier zurück. Bis Ende 1918 hatte sich die Lage soweit normalisiert, daß bei der Bochum-Gelesenkirchener Straßenbahnen AG der Acht-Stunden-Tag eingeführt werden konnte.