ZUR ALTEN EMSCHER

Die wirtschaftliche Entwicklung des Bottroper Netzes der Recklinghausener Strassenbahnen entsprach offensichtlich den Erwartungen. Vor diesem Hintergrund führten der Kreisausschuss Recklinghausen und die Straßenbahn Recklinghausen – Herten – Wanne schon 1910 Verhandlungen über mögliche Erweiterungen. Unter anderem wurde im März 1912 vereinbart, die Gladbecker Strecke in Horst um 1,3 Kilometer durch den Ortsteil Horst-Süd bis zum 1907 eröffneten Bahnhof an der Emschertalbahn zu verlängern.

Zunächst jedoch musste dieses Vorhaben warten. Ein Grund dafür war der Lauf der Emscher im Horster Zentrum. 1914 war diese Hürde durch die Inbetriebnahme des Rhein-Herne-Kanals und die damit seit 1908 einhergehende Kanalisierung und Verlegung des Flusses beseitigt. Somit hätte man mit dem Bau der Strecke beginnen können.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieg verhinderte abermals den Bau der Straßenbahnstrecke. Die Jahre vergingen. Inzwischen war die Recklinghausener Strassenbahnen in der am 25. Mai 1915 gegründeten Vestische Kleinbahnen GmbH aufgegangen, die nunmehr den Bau der Verbindung nach Horst-Süd vorantrieb.

ERÖFFNUNG IM OKTOBER 1920

Die Trasse der Neubaustrecke führte von der Endstelle der Gladbecker Linie in der Gladbecker Straße über die Burg-Strasse (später Schmalhorststraße) und die Allee-Strasse (später Schloßstraße und teilweise „An der Rennbahn“) in das Zentrum von Horst-Süd. Über die Marken-Strasse, die damals eine belebte Geschäftsstraße war, wurde sie bis zur Emschertalbahn geführt. Die Endstelle lag in Höhe der Einmündung der Schüttlaken-Strasse. Von hier aus konnten die Fahrgäste mit einem kurzen Fußweg sowohl den Bahnhof Horst Emscher Süd als auch die jenseits der Emschertalbahn liegende Endstelle der Straßenbahnlinie nach Heßler und Gelsenkirchen erreichen.

Im Zentrum von Horst wurde die Strecke von Anfang an zweigleisig angelegt. In Höhe des Hauses Horst und der Einmündung des heute in diesem Bereich überbauten Weidwalls war zur Passage des engen historischen Ortsbildes ein kurzes eingleisiges Streckenstück notwendig.

Auf der Westseite der anschließenden Allee-Strasse entstand eine langgezogene Ausweiche. Mehrere Gleiswechsel ermöglichten hier an Renntagen der Galopprennbahn den Einsatz und die Abstellung von Verstärkerwagen. Auf der hier als Beitragsbild verwendeten Postkarten sehen wir links die Ausweiche an der Galopprennbahn. Rechts befindet sich das Horster Kriegerdenkmal (Verlag Wilhelm Sohnius, Essen – Sammlung Claus Sybrecht).

Über die Allee-Strasse ging es eingleisig weiter bis zur Kreuzung mit der Marken-Strasse. Hier bog die Straßenbahn um 90 Grad in die östliche Marken-Strasse ab. Das Gleis verlief zunächst in der Straßenmitte. Kurz bevor die Marken-Strasse nach einer scharfen Rechtskurve in südlicher Richtung weitergeführt wurde, schmiegte sich das Gleis an den nördlichen Straßenrand, um dem engen Radius der Straße folgen zu können. Bis zur Endstelle blieb es dann auf der nordöstlichen Straßenseite.

Die Endstelle wurde in Erinnerung an den Urlauf des Flusses als „Alte Emscher“ bezeichnet. Am Straßenrand befand sich hier eine weitere Ausweiche. Eine Verbindung zur Strecke der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG in der Hessler-Strasse gab es anfangs nicht.

Am 25. Oktober 1920 wurde die Verbindungsstrecke als Teilstück der damaligen Linie 17 in Betrieb genommen. Sie führte nunmehr mit einer Gesamtlänge von 6,5 Kilometern vom Rathaus in Gladbeck über Horst zum Bahnhof Horst-Süd.

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