NACH GÜNNIGFELD

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Mit der Eröffnung einer 3,7 Kilometer langen Verbindung von Gelsenkirchen über Ückendorf an die Stadtgrenze nach Günnigfeld erfüllte die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG am 16. Mai 1914 die letzte große Verpflichtung aus den Verhandlungen mit der Stadt Gelsenkirchen zur Ablösung des „Heimfallrechtes“.

Die Linie war für die Stadt von großer strategischer und politische Bedeutung. Sie ermöglichte nach der Linie nach Röhlinghausen und Wanne, über die Tore 1 und 2 erreicht wurden, einen weiteren Zugang zum Schalker Verein (Tor 5 an der Hohenzollernstraße) und erschloss die Großschachtanlage Alma. In Günnigfeld konnten neu geplante Wohngebiete erschlossen werden.

Für den Anschluss der Linie an das Gelsenkirchener Streckennetz war bereits 1909 ein doppelgleisiger Gleisstumpf in der Kniestraße (neben dem Kaiserlichen Postamt)  angelegt worden. Von dort wurde die Strecke doppelgleisig über die neue Wildenbruchstraße geführt.

Eine größere Herausforderung war die enge Eisenbahnüberführung von Werk-, Staats- und Zechenbahn zwischen dem Schalker Verein und der Ückendorfer Straße. In der Ückendorfer Straße selbst verlief das Gleis stadtauswärts rechtsseitig bis zum Ückendorfer Platz. Dort zweigte es in die Osterfeldstraße und die Günnigfelder Straße ab. Bis zur Ausweiche an der Grenze nach Günnigfeld lag es jeweils am rechten Straßenrand.

Bemerkenswert war, dass am Ückendorfer Platz zu keinem Zeitpunkt eine Verbindung zur Straßenbahnstrecke von Gelsenkirchen nach Wattenscheid und Bochum hergestellt wurde.

Die neue Linie 8 hatte kaum Zeit sich zu bewähren. Mit der Mobilisierung für den Ersten Weltkrieg wurde sie bereits am 5. August 1914 wieder eingestellt. Erst nachdem weiteres Hilfspersonal – Frauen und Schüler – ausgebildet war, konnte der Verkehr am 10. September 1914 wieder aufgenommen werden. In Gelsenkirchen wurde die Linie 8 mit der Strecke nach Heßler und Horst verbunden.

Die allgemeine Notlage erforderte ab dem 1. Januar 1917 eine Ausdünnung des Fahrplans. Da der Streckenast von Gelsenkirchen nach Günnigfeld – anders als erwartet – nicht besonders gut frequentiert war, wurde die Strecke während Ruhrbesetzung und Inflation mehrfach nicht mehr befahren. Erst am 18. Februar 1924 normalisierte sich die Lage soweit, dass wieder ein regelmäßiger Verkehr angeboten wurde.

Das Beitragsbild, eine sehr seltene, vom Verlag Otto Lukas in Günnigfeld in vermutlich kleiner Auflage verlegte Postkarte aus der Sammlung des Wattenscheider Heimatfreundes Rudolf Wantoch zeigt die Linie 8 an der Endstelle in der Günnigfelder Straße.