NACH BUER

Nach der Weltwirtschaftskrise richtete die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG in den 1930er-Jahren zahlreiche Gemeinschaftslinien mit Nachbargesellschaften ein. Viele Strecken wurden ausgebaut, sodass das Streckennetz um 1930 die größte Ausdehnung erreichte.

Ein wichtiger Mitbewerber der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG im Raum Gelsenkirchen war die Vestische Kleinbahnen GmbH. Sie betrieb, ausgehend von der Zentrale in Herten, ein weitläufiges Netz von Stadt- und Überlandlinien im nördlichen Revier – mit Betriebsstandorten in Recklinghausen und Buer.

Ein wichtiges Projekt der Vestischen Kleinbahnen war 1927 eine neue Überlandlinie von Buer über Sutum nach Schalke. lm Dezember 1927 wurde die Strecke, die größtenteils auf einer eigenen Trasse gebaut worden war, eröffnet.

Das Titelbild dieses Kapitels entstand anlässlich der Eröffungsfahrt in Höhe der Haltestelle „Wirtschaft Stein“ zwischen Sutum und Buer. Heute befindet sich die Aufnahme im Bestand des Gelsenkirchener Instituts für Stadtgeschichte.

In Schalke verband man die Gleise der Vestischen Kleinbahnen mit denen der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG – und führte damit auch einen Gemeinschaftsverkehr ein. Die Linie von Bochum nach Gelsenkirchen wurde über die bisherige Endstelle in Schalke nach Buer weitergeführt.

lm Oktober 1936 verlängerte man die Linie 1 über Buer hinaus bis Hassel.

LINIEN 2, 12 UND 22

Ein weiterer Mitbewerber der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG, die Westfälische Straßenbahn GmbH, geriet Ende der 1930er-Jahre in die Insolvenz. Viele Strecken des Unternehmens hatten aufgrund der Stadtentwicklung nicht die wirtschaftlichen Ergebnisse erzielt, die bei der Planung erwartet worden waren.

Zum 1. Januar 1938 übernahm die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG das Unternehmen. Um dem in der Folge neu geordneten Streckennetz der zusammengelegten Betriebe eine einheitliche Struktur zu geben, wurden erneut neue Liniennummern eingeführt. Dabei wurden die Ziffern erstmals nur einmal im Gesamtunternehmen vergeben.

So wurde die Linie 1 / 1a zum Fahrplanwechsel am 1. Februar 1938 in Linie 2 umbenannt.

Die Vestische Kleinbahnen GmbH betrieb die Strecke Gelsenkirchen – Schalke – Sutum – Buer – Hassel – Marl – Sinsen – Recklinghausen als neue Linie 12.

Zwischen Gelsenkirchen und dem Bahnhof Wattenscheid wurde als Ersatz für die Linie 1 E die Verstärkerlinie 22 eingerichtet. Am 14. Mai 1939 wurden die Züge der Linie 2 durch den Einsatz von Beiwagen verstärkt. Die Linienbezeichnung „22“ wurde wieder aufgegeben.

ZWANGSVERKAUF

Im Dritten Reich wurde die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG zum nationalsozialistischen Musterbetrieb ernannt und konnte somit über die Partei erheblichen Einfluss auf das Verkehrswesen im Ruhrgebiet ausüben.

Als unmittelbare Folge mussten die Vestischen Kleinbahnen im August 1939 ihre Strecke von Buer nach Schalke an die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG verkaufen.

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