KULTURLINIE

Die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft wurde 1954 in „Essener Verkehrs-AG“ (EVAG) umgetauft. Wenig später wurden einige Netzbereinigungen vorgenommen.

In der Feldmark übernahm die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG 1958 das nach dem Krieg durch die Süddeutsche Eisenbahn wiederhergestellte Streckenstück zwischen der Schwarzbachbrücke und der Trabrennbahn.

Zwischen dem 25. Mai 1959 und dem 15. März 1960 wurde die Feldmarkstraße zwischen der Stadtgrenze und der teilweise über die Schillerstraße verlaufenden Hans-Böckler-Allee vierspurig ausgebaut. Die Gleise der Linie 17 wurden nach Norden in die Mitte der neuen Schnellstraße verschoben.

Das Beitragsbild aus der Sammlung von Kläre Fricke (Sammlung Ludwig Schönefeld) zeigt den 1927 als Triebwagen 536 von der Mainzer Waggonfabrik Gastell gebauten Triebwagen 55 während des Umbaus der Feldmarkstraße an der provisorischen Endstelle in Höhe der Fürstinnenstraße. Die neuen Fahrleitungsmasten sind bereits gesetzt. Bis 1966 wurden diese „Gastell“-Wagen im Personenverkehr eingesetzt.

AUS IN DER ZEPPELINALLEE

Die Linienführung über die inzwischen in „Zeppelinallee“ umbenannte Zeppelinstraße wurde am 30. Juni 1969 zugunsten einer Neubautrasse über die Essener Straße zur Florastraße aufgegeben. Damit kehrte die Straßenbahn auf den Fahrweg zurück, der bereist 1911 vorübergehend als Zubringer zur Stadthalle und zum Stadtpark angelegt, dann aber wieder abgebaut worden war. Die Eisenbahngleise der Strecke Gelsenkirchen – Schalke-Süd wurden jetzt mit einer neu angelegten Unterführung unterfahren.

LINIE 7/17

Mit dem Fahrplanwechsel 1971 wurden die Linien 7 und 17 im Gemeinschaftsverkehr mit dem Liniensignal 7/17 gefahren. In der Regel fuhren die Wagen der Essener Straßenbahn auf der Linie 7 (und waren auch so beschildert), die Wagen der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn auf der Linie 17 (mit dem Liniensignal 7/17). Die Fahrgäste mussten somit am Gelsenkirchener Hauptbahnhof genau auf das Linienschild sehen, um sich zu vergewissern, ob der Wagen über Rotthausen oder über die Feldmark nach Essen fuhr. Zeitgleich wurde die Linie 17 bis zur Endstelle Bredeney durchgebunden.

Auf der „7/17“ kamen vor allem die 1964 zu Gelenkwagen umgebauten Großraumwagen der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG zum Einsatz (Triebwagen 200 bis 216). Da die Essener Verkehrs-AG eine sehr große Flotte von Düwag-Einrichtungswagen betrieb, war die Linie durchgehend – auch an der Trabrennbahn – mit Wendemöglichkeiten ausgestattet.

Auf Essener Gebiet führten die Großraum-Gelenkwagen in der Regel einen vierachsigen Beiwagen aus der EVAG-Flotte mit. Ein an der Trabrennbahn im Dienst stehender Posten war für das An- und Abkuppeln der Beiwagen verantwortlich. Diese Situation dokumentiert das nachfolgende Foto von Axel Reuther.

ABSCHIED VOM GROSSRAUMWAGEN

1977 übernahm die Essener Verkehrs-AG im Regelbetrieb die Dienste der Linie 17 – nunmehr mit dem Liniensignal 27. Ausschlaggebend dafür war, dass die Einrichtungswagen der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG technisch nicht mehr für den neu eröffneten Stadtbahntunnel in Essen nachgerüstet wurden. Die fortschrittlichen Nachkriegswagen kamen nach nur 25 Einsatzjahren auf das Abstellgleis. Nur zwei Kopfteile überlebten für einige Jahre als Partiewagen „BOGIE“.

Auf der Linie 27 kamen zunächst achtachsige Einrichtungswagen der EVAG, später dann achtachsige Standardwagen des Typs M zum Einsatz. Fahrzeuge der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG kamen in den 1980er-Jahren nur bei Betriebsstörungen und bei besonderen Anlässen zur Trabrennbahn.

Mit dem Start des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr am 1. Januar 1980 erhielt die Linie die VRR-Nummer 127.

KULTURHAUPTSTADT

Seit 1998 ist die Straßenbahn in der Gelsenkirchener Feldmark als Linie 107 unterwegs. In Verbindung mit der Bewerbung von Essen als Kulturhauptstadt gab die Essener Verkehrs-AG „ihrer“ 107 eine neues Attribut. Als „KulturLinie“ verbindet die „107“ zwischen Bredeney und Gelsenkirchen Hauptbahnhof 57 Kulturstätten: Von der denkmalgeschützten Krupp-Siedlung in Bredeney über das Weltkulturerbe Zeche Zollverein bis zum Musiktheater in Gelsenkirchen.