U-BAHN-BAU

Nach dem Krieg nutzte die Stadt Gelsenkirchen die erheblichen Zerstörungen, insbesondere rund um das Hans-Sachs-Haus, um die Stadt neu zu gliedern.

EBERTSTRASSE – FLORA – STERN

1957/58 werden die Ebertstraße, die Essener Straße und die Florastraße unter Nutzung der ehemaligen Marktfläche vor dem Hans-Sachs-Haus und durch den Ankauf von Grundstücken im Bereich des ehemaligen Kaiser-Platzes, südlich der alten Florastraße, zu breiten Verkehrsachsen ausgebaut. Wenig später entstand am südlichen Ende der Ebertstraße das am 15. Dezember 1959 eröffnete, repräsentative Gelsenkirchener Musiktheater und die neue Haltestelle „Alter Markt“ (später „Stadttheater“, heute „Musiktheater“).

Die Straßenbahnlinie nach Bismarck wurde jetzt über die Ebertstraße und die Florastraße geleitet. Eine Neubaustrecke zwischen dem von der Linie 2 genutzen Abzweig in die Schalker Straße durch die Florastraße bis zum Stern stellte den Anschluß an die bisherige Strecke her.

Für die Linie nach Wanne entstehen von der Florastraße ein Abzweig in die Luitpoldstraße und die neue Haltestelle „Georgskirche“. Über die Luitpoldstraße werden die Hauptstraße, der Betriebshof und die Wanner Straße erreicht. Die Ende der 1920er-Jahre eröffnete Innenstadtstrecke, die über die Von-Oven-Straße und die Hansemannstraße zur Hauptstraße führt, kann stillgelegt werden.

Ab dem 1. Juli 1969 verkehrte schließlich auch die Linie zur Trabrennbahn über die inzwischen vierspurig ausgebaute Essener Straße in Richtung Feldmark.

RINGSTRASSE

Ein weitere große Zäsur war ab 1974 der Bau der U-Bahn. Um Platz für die in offenen Baugruben erstellten Teilstücke zu schaffen, wurden die Strecken in der Innenstadt unmittelbar nach den im Parkstadion Gelsenkirchen ausgetragenen Spielen der Fußballweltmeisterschaft (13. Juni bis 7. Juli 1974) stillgelegt.

Die erste Großbaustelle wurde im Bereich der Bochumer Straße, des Bahnhofsvorplatzes und der Husemannstraße eingerichtet. Am 25. Juli 1974 begannen an der Kreuzung der Ring- und Wildenbruchstraße die Arbeiten zum Anschluß einer Umleitungsstrecke für die Straßenbahn über den die Rheinelbestraße / Junkerweg und daran anschließend über die Wicking-, Ring-, Luitpold- und Florastraße. Am 28./29. September 1974 wurde die Umleitungsstrecke an die Bochumer Straße angeschlossen.

Am 1. Oktober 1974 kann die Umleitungsstrecke für alle Linien, für Straßenbahnen und Omnibusse, in Betrieb genommen werden. Die Wendeschleife am Gelsenkirchener Hauptbahnhof für die Linie 1, 7 und 17 war zuvor in die Raabestraße verschoben worden.

Insgesamt wurden für die neue, 1,7 Kilometer lange Strecke 3.200 Meter Gleis und 38 neue Weichen verbaut. Darüber hinaus wurden 12.000 Tonnen Unterbaumaterial, 400.000 Pflastersteine, 11.000 Qudratmeter Großpflaster und 3.200 Meter Bordsteine bewegt. Die Gesamtkosten lagen bei 5,5 Millionen DM.

Die aus Katernberg über die Rotthauser Straße kommende Linie 7 konnte noch bis zur Einrichtung der Stadtbahn-Baugrube in der Ebertsstraße über die Ahstraße und die Ebertstraße fahren. Über die Flora- und Luitpoldstraße fuhr sie bis zur Einstellung am 30. Juni 1978 zum Hauptbahnhof.

Mit der Trasse in der Ringstraße wurde nun erstmals auch ein Straßenzug befahren, den die Gelsenkirchener Verkehrskommission bereits 1909 in den Verhandlungen um das „Heimfallrecht“ als „Ringbahn“ angeregt hatten.

Auf der Umleitungsstrecke fuhren die Straßenbahnen bis zur Inbetriebnahme der U-Bahn am 2. September 1984.

Um den Stadtbahntunnel in Höhe des Musiktheaters an das Streckennetz anzuschließen, wurde in der Zeit vom 21. März bis zum 16. April 1983 ein neues Wendedreieck in die Ebert- und Florastraße eingebaut. Am 10. April 1984 war der Stadtbahntunnel über die Rampe am Musiktheater befahrbar und grundsätzlich betriebsbereit. Die Schulung des Personals konnte parallel zu den abschließenden Arbeiten im Tunnel beginnen.

Am 1. September 1984 wurde die Umleitungsstrecke in Fahrtrichtung Bochum um 23.30 Uhr und im Fahrtrichtung Buer um 23.50 Uhr stillgelegt. Die ganze Nacht über wurde an der Bochumer Straße daran gearbeitet, die Rampe zum Stadtbahntunnel an das Streckengleis anzuschließen.

Von der Umleitungsstrecke erhalten blieb allein die Zufahrt zum Betriebshof von der Flora- über die Luitpold- und Hochstraße blieb erhalten.

VERLUST DES BAHNHOFS

Das 1904 eröffnete markante Gebäude des Gelsenkirchener Hauptbahnhofs wurde im Oktober 1982 abgebrochen. An seine Stelle trat das 1984 für 90 Millionen DM errichtete Bahnhofscenter mit integriertem Zentralen Omnibusbahnhof. Von den Gelsenkirchenern wenig geliebt verkam über die Jahre insbesondere die aus der Unterführung der Bahnhofstraße entstandene Zuwegung zu den Bahnsteigen. Vor diesem Hintergrund wurde der unter den Bahngleisen liegende Hauptbahnhof 2005/06 erneut mit Investitionen von 15 Millionen Euro modernisiert.