IN DIE HORSTERMARK

Für die vorgesehene Weiterführung der Strecke in die Horstermark musste waren zunächst Abklärungen bezüglich der notwendigen Querung der Bahnstrecke von Essen nach Gelsenkirchen-Bismarck notwendig.

Es stellte sich heraus, dass es mit vertretbarem Aufwand nicht möglich sein würde, die Gleise niveaugleich zu kreuzen. Auch betrieblich waren aufgrund des intensiven Bahnverkehrs erhebliche Probleme zu erwarten.

Vor diesem Hintergrund wurde im Anschluss an die Hessler-Strasse eine Rampe errichtet. Sie führte zu einer Brücke, mit der die Straßenbahn parallel zur Zechenbahntrasse der Schachtanlage Wilhelmine-Victoria auf die neu geschaffene Damm-Strasse geführt wurde. Im Frühjahr 1913 wurden die Brücke und die Rampen fertiggestellt.

Über die Grimm-Strasse, in der die Gleise mittig lagen, die Reichs-Strasse (heute Fersenbruch), die Nordstern-Strasse (heute Lohebleckstraße) und die Feld-Strasse (heute Grothusstraße) wurde die Gemeindegrenze zwischen Heßler und Horst in Höhe des zwischen 1908 und 1914 angelegten Rhein-Herne-Kanals und der zeitgleich kanalisierten Emscher erreicht.

Auf Horster Gebiet wurde die Strecke über die dortige Hessler-Straße (heute Wallstraße) bis zur Endstelle am Bahnhof Horst-Süd weitergeführt. Auf der Kanalbrücke lag das Gleis auf der westlichen Seite. Zwischen der Kanal- und der Emscherbrücke wechselte es in die Straßenmitte. Nördlich der Emscher lag es auf der rechten, östlichen Straßenseite.

Nach der Unterfahrung der Anschlussbahn zwischen den Schachtanlagen Nordstern I / II und Nordstern III / IV zwischen den heutigen Häusern Wallstraße 13 und 17 / 22 näherte sich die Trasse der Emschertalbahn und der Endstelle in Höhe des Restaurants „Schützenhof“.

Ausweichen für Zugkreuzungen und für den Beiwagenbetrieb befanden sich unter anderem in der Grimm-Strasse (Heßler, Melanchtonkirche) sowie auf der Südseite der Kanalbrücke. An der Endstelle gab es kein Ausweichgleis, sodass die Straßenbahnwagen auf dem nördlichen Streckenast in der Anfangszeit immer ohne Beiwagen unterwegs waren.

Am 6. Dezember 1913 ging die neue Strecke in Betrieb als Verlängerung der Linie 5 in Betrieb. Insgesamt hatte die neue Verbindung von Gelsenkirchen über Heßler nach Horst eine Streckenlänge von 6,35 Kilometern.

JOHANN HAGEMANN

Die hier als Beitragsbild gezeigte Postkarte aus dem Jahr 1923 (Verlag Max Biegel, Eberfeld – Sammlung Claus Sybrecht) verdanken wir dem Gastronom Johann Hagemann. Er betrieb auf der Insel zwischen der Emscherbrücke und der Brücke über den Rhein-Herne-Kanal ein Restaurant mit Gartenwirtschaft. Als Werbung für sein Restaurant gab er im Laufe der Zeit die hier gezeigten Postkarten in Auftrag.

Triebwagen 66 befindet sich auf der Fahrt in Richtung Gelsenkirchen. Für den Fotografen hat das Personal jedoch das Zielschild auf „Horstermark“ gedreht. Der Triebwagen selbst entstand vermutlich zwischen 1908 und 1910 aus dem Fahrgestell eines 1898 von der Kölner Waggonfabrik Herbrandt gelieferten Triebwagens (Serie 60 bis 75) und einem zwischen 1895 und 1897 von der Waggonfabrik Hofmann in Dresden gebauten Wagenkasten. Mindestens zwei dieser Umbauten sind in einer Wagenparkstatistik der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG aus dem Jahr 1938 erwähnt.

Der Fotograf der zweiten Postkarte, die Johann Hagemann vermutlich einige Jahre später als Werbemittel in Auftrag gab, verzichtete auf die Abbildung einer Straßenbahn. Das Umfeld des Restaurants hatte sich zwischenzeitlich verändert: Die Hesslerstraße ist nunmehr deutlich dichter bebaut. Die Anlagen der Zeche Nordstern sind eng an das einstige Gartenrestaurant herangerückt (Verlag Cramers Kunstanstalt, Dortmund – Sammlung Claus Sybrecht).