WIEHAGEN

Es war absehbar, dass der Bahnhofsumbau eine weitere Nutzung der Unterführung am östlichen Gleisvorfeld durch die Straßenbahn nicht mehr zulassen würde. Die Konzeption des neuen Bahnhofs sah vor, die ehemalige Straßenbahnunterführung nach der Fertigstellung des Empfangsgebäudes als Zugang zu den Bahnsteigen zu nutzen. Sie sollte dazu entsprechend umgebaut werden.

Um den Straßenbahnverkehr von Wattenscheid nach Schalke während der Bauzeit weiterzuführen, wurde 1901 eine 1,18 Kilometer lange, von der Bochumer Straße in die damalige Weiden-Strasse und die anschließende Wiehagen-Strasse abzweigende Umleitungsstrecke mit den Haltestellen Wiehagen, Weiche Mühlen-Strasse (nach 1921 Bokermühlstrasse) und Schwarzbach gebaut.

Die Umleitungsstrecke wurde an der Ecke Bruno- und Gartenbruch-Strasse (heute Rotthauser Straße) mit dem Gleis der Linie nach Kray und Steele verbunden. Über die Aah-Strasse und die seit dem 18. September 1898 nur noch als Betriebsstrecke genutzte Trasse in der südwestlichen Hoch-Strasse erreichten die Wagen in der Altstadt wieder die Streckenführung über die Friedrich-Strasse (heute Hansemannstraße) nach Schalke.

BRÜCKENBAU AN DER ROTTHAUSER STRASSE

Mit dem Fortschritt der Bauarbeiten an den Gleisen der Cöln-Mindener Bahn erreichte die höher gelegte Bahntrasse 1902 die niveaugleichen Bahnübergänge im Verlauf der Aah-Strasse. Sie mussten durch Brücken ersetzt werden.

Dies führte bis 1903 in der Aah-Strasse zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Straßenbahnverkehrs, da sowohl die über den Wiehagen umgeleitete Linie von Wattenscheid nach Schalke als auch die Linie von Gelsenkirchen nach Steele während der Bauphase die Aah-Strasse befuhren.

Die Situation entspannte sich erst 1904 mit der Öffnung der neuen Bahnhofsbrücke. Die aus Steele kommende Linie fuhr jetzt von Rotthausen über den Wiehagen, die Bochumer-Strasse und die Bahnhof-Strasse zu ihrer Endstelle am Neumarkt.

Die Wattenscheider Linie nahm nunmehr den direkten Weg von der Bochumer-Strasse über die Bahnhof-Strasse zum Neumarkt und von dort weiter über ihre Stammstrecke zum Schalker Markt.

Das Beitragsbild, eine um 1905 gelaufene Postkarte (Verlag J. F. Mummelthey, Gelsenkirchen – Sammlung Volker Bruckmann) zeigt Triebwagen 13 in der Weiden-Strasse. Im Hintergrund ist die Bebauung der Bochumer-Strasse zu erkennen.

Zwischen der Einmündung der damaligen Mühlen-Strasse und der Knappen-Strasse entstand das zweite Postkartenmotiv. Hier hat der Retuscheur allerdings kräftig nachgeholfen (Verlag Cramers Kunstanstalt, Dortmund – Sammlung Volker Bruckmann).

Die Weiden- und Wiehagen-Strasse bilden heute unter der Bezeichnung „Wiehagen“ einen durchgehenden Straßenzug. Die auf den Postkarten gezeigten Häuser auf der linken Straßenseite sind nicht mehr vorhanden. Hier entstand in den 1970er-Jahren eine dem damaligen Zeitgeschmack entsprechende Bebauung mit Hochhäusern.

DICKAMP-STRASSE

Parallel zur Gestaltung des Bahnhofsumfeldes wurde auf der ehemaligen Trasse der Wilhelminenbahn die Dickamp Strasse (heute Husemannstraße) angelegt. In ihrem Verlauf, der im Westen vom 1894 eröffneten Rathaus und im Osten vom Bahnhofsvorplatz begrenzt wurde, entstanden das Stadtbad sowie moderne Wohn- und Geschäftshäuser.

Nach der Fertigstellung der Straße wurde die aus über Rotthausen bis zum Rathaus verkehrende Straßenbahnlinie der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft von der Endstelle in der Aah-Strasse über die Dickamp-Strasse zum neuen Hauptbahnhof zu führen.

Die Endstelle der in der Dickamp-Strasse zunächst eingleisig verlegten Strecke bestand aus einem Stumpfgleis mit Ausweiche, hatte aber keine Verbindung zu dem in der Bahnhofstraße verlaufenden Gleisen der Gelsenkirchener Strassenbahnen.

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