GÜTERVERKEHR

Während des Ersten Weltkrieges wurde im gesamten Ruhrgebiet ein umfassender Kohleverkehr über die Gleise der Straßenbahn eingerichtet.

Das Gelsenkirchener Netz der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG war davon nur am Rand betroffen: Das Wuppertaler Kraftwerk hatte mit der Zeche Bonifatius in Kray eine Vereinbarung über Kohlenlieferungen geschlossen. Um diese per Straßenbahn abwickeln zu können wurde ein Anschlußgleis von der Steeler Strecke zur Zeche Bonifatius gelegt.

Die Wuppertaler Kohlenzüge fuhren von dort zunächst nach Steele, dann über das Netz der Bergischen Kleinbahnen über Nierenhof nach Wuppertal.

Ein weiteres Gütergleis in Gelsenkirchen führte zu dem zwischen 1908 und 1910 auf einem Grundstück nördlich des Hauptbahnhofes neu gebauten Kaiserlichen Postamt. Auf welchen Relationen die Post per Straßenbahn befördert wurde, ist derzeit nur in Bruchstücken bekannt. So erwähnt das „Postleitheft“ des Jahres 1935/36 Postverkehre per Straßenbahn nach Gladbeck, Buer und Wattenscheid. Belegt ist auch, dass die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG für diese Verkehre spezielle Güterwagen vorhielt.

Bis in die 1970er-Jahre hinein wurden noch regelmäßig Postbeutel mit der Straßenbahn befördert. So regelt ein erhalten gebliebener Postbeförderungsvertrag vom 15. Februar 1968 den Transport von einem Postbeutel nach Bochum (Dienstag bis Freitag), zwei Postbeuteln nach Buer (werktäglich), einem Postbeutel nach Wattenscheid (werktäglich) und jeweils einem Postbeutel von Buer und Horst nach Gelsenkirchen (werktäglich).

MARKT-TRANSPORTE

1942 entsteht in Höhe der Zeche Alma, abzweigend von der Linie von Gelsenkirchen nach Günnigfeld ein Gütergleis zum Gelsenkirchener Großmarkt. Inwieweit es tatsächlich genutzt wurde, ist bis heute nicht belegt. Möglicherweise gab es Lieferungen für den Wattenscheider Markt. Er verfügte ab 1942 ebenfalls über ein Anschlußgleis auf dem ehemaligen August-Bebel-Platz. Mit der Einstellung der Straßenbahnverbindung nach Günnigfeld entfiel auch dieser Gleisanschluß.

KIESVERKEHRE

Deutlich länger Bestand hatte ein 1943 angelegtes, von der Strecke in der Sutumer Straße abzweigendes Anschlußgleich zum Gelsenkirchener Stadthafen. Die Gleisanlage in der Werftstraße diente vorrangig dem Kiesverkehr für Gleisbauarbeiten. Dieser wurde über einen Hochbunker in Güterwagen der Straßenbahn verladen. Vor der Verladestelle befand sich eine etwa 80 Meter lange Ausweiche.

Bis zur notdürftigen Wiederherstellung der kriegszerstörten Brücke über den Rhein-Herne-Kanal wurde die Ausweiche in der Werftstraße als provisorische Endstelle für die Wagen der Linie 2 genutzt. Auch in späteren Jahren war die Ausweiche nützlich: Als Aufstellgleis für Einsatzwagen bei Sportveranstaltungen in der Glückauf-Kampfbahn.

Der Kiesverkehr wurde 1952 eingestellt. Die Gleisanlage blieb bis zum Ausbau der Sutumer Straße zur Kurt-Schuhmacher-Alle im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in Betrieb. Viele Jahre später lagen die Gleise immer noch in der Werftstraße.