U-BAHN-BAU

Ein Zäsur im Gelsenkirchener Stadtbild war ab 1974 der Bau der U-Bahn. Um Platz für die in offenen Baugruben erstellten Teilstücke zu schaffen, wurden die Strecken in der Innenstadt unmittelbar nach den im Parkstadion Gelsenkirchen ausgetragenen Spielen der Fußballweltmeisterschaft (13. Juni bis 7. Juli 1974) Stück für Stück stillgelegt.

Die erste Großbaustelle wurde im Bereich der Bochumer Straße, des Bahnhofsvorplatzes und der Husemannstraße eingerichtet. Am 25. Juli 1974 begannen an der Kreuzung der Ring- und Wildenbruchstraße die Arbeiten zum Anschluss einer Umleitungsstrecke für die Straßenbahn über den die Rheinelbestraße / Junkerweg und daran anschließend über die Wicking-, Ring-, Luitpold- und Florastraße.

WENDEDREIECK AM HAUPTBAHNHOF

Für die zum Hauptbahnhof fahrenden Linien 1, 7 und 17 wurde für die Zeit des Umbaus ein provisorisches Wendedreieck am Hauptbahnhof erstellt. Ihre Endstelle lag jetzt vor dem Haupteingang des Bahnhofs, wo zuvor die Linienzüge der „2“ hielten. Die Linie 2 war während der Umbauarbeiten in Gelsenkirchen vorübergehend unterbrochen.

Am 28. / 29. September 1974 konnte die Neubaustrecke in der Ringstraße an die Bochumer Straße angeschlossen werden. Damit wurde die Trennung der Linie 2 aufgehoben. Auch der Abzweig von der Ringstraße in die Gleisschleife über die Wildenbruch- und Raabestraße konnte jetzt für die Linie 1 in Betrieb genommen werden.

Am 1. Oktober 1974 konnte die Umleitungsstrecke für alle Linien, für Straßenbahnen und Omnibusse, in Betrieb genommen werden. Auch der Abzweig von der Ringstraße in die erneuerten Gleisanlagen der Wendeschleife in der Wildenbruch-, Raabe- und Vohwinkelstraße war jetzt betriebsbereit. Hier konnten jetzt die Linien 1, 7 und 17 wenden.

Insgesamt wurden für die neue, 1,7 Kilometer lange Strecke 3.200 Meter Gleis und 38 neue Weichen verbaut. Darüber hinaus wurden 12.000 Tonnen Unterbaumaterial, 400.000 Pflastersteine, 11.000 Quadratmeter Großpflaster und 3.200 Meter Bordsteine bewegt. Die Gesamtkosten lagen bei 5,5 Millionen DM.

GNADENFRIST FÜR DIE LINIE 7

Für die aus Katernberg über Rotthausen nach Gelsenkirchen kommende Linie 7 begann mit den Stadtbahn-Bauarbeiten eine vierjährige Gnadenfrist. Noch bis zum 26. Januar 1975 konnten die Einrichtungswagen am Hauptbahnhof das provisorische Wendedreieck benutzen. Anschließend fuhr sie von der Rotthauser Straße über die Ah-, Ebert-, Flora-, Luitpold und Ringstraße zur neu angelegten Wendeschleife in der Raabe- und Vohwinkelstraße. Am 30. Juni 1978 wurde die „7“ eingestellt.

Am 18. Januar 1975 konnte Dieter Höltge am Hauptbahnhof die durch das provisorische Wendedreieck mögliche Betriebssituation der Linie 7 im Bild festhalten. An diesem Tag war Triebwagen 205 auf der Linie 7 im Einsatz (Sammlung Stefan Höltge).

ENDE DER UMLEITUNG

Rund zehn Jahre, bis zur Inbetriebnahme der U-Bahn in Gelsenkirchen am 2. September 1984, wurde die Umleitungsstrecke über die Ringstraße von den Gelsenkirchener Straßenbahn- und Omnibuslinien genutzt.

Um den Stadtbahntunnel in Höhe des Musiktheaters an das Streckennetz anzuschließen, wurde in der Zeit vom 21. März bis zum 16. April 1983 ein neues Wendedreieck in die Ebert- und Florastraße eingebaut. Am 10. April 1984 war der Stadtbahntunnel über die Rampe am Musiktheater befahrbar und grundsätzlich betriebsbereit. Die Schulung des Personals konnte parallel zu den abschließenden Arbeiten im Tunnel beginnen.

Am 1. September 1984 wurde die Umleitungsstrecke in Fahrtrichtung Bochum um 23.30 Uhr und im Fahrtrichtung Buer um 23.50 Uhr stillgelegt. Die ganze Nacht über wurde an der Bochumer Straße daran gearbeitet, die Rampe zum Stadtbahntunnel an das Streckengleis anzuschließen. Triebwagen 328 war der erste Wagen, der am 2. September 1984 die Gleisverbindung von der Rampe zur Bochumer Straße befuhr (Foto Ludwig Schönefeld).

Von der Umleitungsstrecke erhalten blieb allein die Zufahrt zum Betriebshof von der Flora- über die Luitpold- und Hauptstraße.

VERLUST DES BAHNHOFS

Das 1904 eröffnete markante Gebäude des Gelsenkirchener Hauptbahnhofs wurde im Oktober 1982 abgebrochen. An seine Stelle trat das 1984 für 90 Millionen DM errichtete Bahnhofscenter mit integriertem Zentralen Omnibusbahnhof. Von den Gelsenkirchenern wenig geliebt verkam über die Jahre insbesondere die aus der Unterführung der Bahnhofstraße entstandene Zuwegung zu den Bahnsteigen. Vor diesem Hintergrund wurde der unter den Bahngleisen liegende Hauptbahnhof 2005/06 erneut mit Investitionen von 15 Millionen Euro modernisiert.

Das am 3. Oktober 1988 aufgenommene Titelbild dieses Kapitels zeigt den M-Wagen 307 auf der Linie 301 an der Haltestelle Musiktheater (Foto Dieter Höltge – Sammlung Stefan Höltge).