NACH HÖNTROP

Von Königssteele war über fast 30 Jahre eine Fortführung der Straßenbahn über Freisenbruch, Sevinghausen und Höntrop nach Bochum im Gespräch. Initiatoren waren die Stadt Bochum, die Kommunale Straßenbahn-Gesellschaft Landkreis Gelsenkirchen, als ihre Betriebsführerin die Westfälische Straßenbahn und zuletzt sogar die Straßenbahn Herne – Baukau – Recklinghausen.

STADT BOCHUM

Die erste Initiative für eine Verbindung von Bochum nach Königssteele ging 1898 von Bochumer Stadtverordneten aus. Zum damaligen Zeitpunkt war der Betreiber des Bochumer Straßenbahnnetzes, die Berliner Firma Siemens & Halske, für das Projekt gleichwohl nicht zu gewinnen: Die Strecke hätte über Kilometer durch schwach besiedeltes Gebiet geführt. An eine angemessene Verzinsung des notwendigen Kapitaleinsatzes wäre nicht zu denken gewesen.

KOMMUNALE STRASSENBAHN

1899 bemühten sich dann auch die Initiatoren der späteren Kommunalen Straßenbahn-Gesellschaft Landkreis Gelsenkirchen um eine Verbindung von Wattenscheid über Höntrop nach Königssteele. Am 16. Januar 1908 eröffnete die „Kommunale“ die Strecke nach Höntrop. Vom 12. November 1913 war die Gesellschaft an die Westfälische Straßenbahn GmbH, Gerthe, verpachtet. Sie verfolgte fortan das Projekt der Verbindung nach Steele.

STRASSENBAHN HERNE – BAUKAU – RECKLINGHAUSEN

Als zusätzlicher Interessent war 1901 die Straßenbahn Herne – Recklinghausen aufgetreten. Die Verhandlungen mit den beteiligten Gemeinden wurden 1902 wieder eingestellt.

BOCHUM-GELSENKIRCHENER STRASSENBAHNEN AG

Im Zusammenhang mit einem Neubau der Eisenbahnüberführung am Bahnhof Steele-Nord war die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG gezwungen, weitergehende Straßenunterhaltspflichten in Königssteele zu übernehmen. Damit interessierte auch sie sich ab 1911 auch wieder für eine Fortsetzung des Streckenastes von Steele nach Bochum.

Der Erste Weltkrieg und Zusagen, die die Westfälische Straßenbahn GmbH inzwischen vom Landkreis Gelsenkirchen bezüglich des Projektes erhalten hatte, bremsten die Initiative der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG.

Nach dem Krieg kam es zu einer regelrechten Auseinandersetzung zwischen der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG und der Westfälischen Straßenbahn GmbH. Der Anfang 1920 gegründete Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk, der sich insbesondere auch mit dem überörtlichen Personennahverkehr befasste, mischte sich ein. Er empfahl, Projekt ausschließlich mit der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG weiterzuführen. Daraufhin verzichtete die Westfälische Straßenbahn im Februar 1924.

ERSTE GLEISE

Inzwischen war der Individualverkehr auf der Provinzialstraße so stark gestiegen, dass man in einer Straßenbahnstrecke zunehmend eine Verkehrsgefährdung sah. Das Projekt wurde zwar weiterverfolgt, jedoch kam am 20. August 1925 zunächst eine Autobuslinie vom Grendplatz in Steele nach Höntrop in Betrieb, die von der Essener Straßenbahn betrieben wurde.

Ungeachtet der neuen Situation verfolgte die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG weiterhin das Straßenbahnprojekt. Beim Ausbau der Provinzialstraße wurden zwischen km 24,6 und 27,7 sowie zwischen km 33,0 und 33,6 im neben der Straße verlaufenden, sogenannten „Sommerweg“ insgesamt 3,7 Kilometer Gleis für die Verbindung Steele – Höntrop verlegt. In anderen Abschnitten der Provinzialstraße – zwischen km 27,7 und 29,6 sowie zwischen km 29,6 und 33,0 – wurde die neue Pflasterung für die Aufnahme des Straßenbahngleises bereits vorbereitet.

Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Eingemeindung von Königssteele nach Steele war im März 1925 die weitere Finanzierung der Strecke nicht mehr gesichert. Die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG stellte das Projekt daraufhin im Januar 1926 ein.

LINIE 63 / 363

Dabei blieb es, zumal das Steeler Netz 1929 und 1932 in Folge der kommunalen Neugliederung an die Essener Straßenbahn abgetreten wurde. Sie betrieb unter der Linienbezeichnung G weiterhin ihre Omnibuslinie. Nach dem Zweiten Weltkrieb ging diese am 1. April 1949 wieder in Betrieb.

Zum Fahrplanwechsel Ende 1960 erhielt die Verbindung die Liniennummer 63. Sie wurde jetzt als Gemeinschaftslinie der Essener Verkehrs-AG und der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG betrieben. Zunächst fuhren die Omnibusse nur bis Höntrop, später dann bis in die Wattenscheider Innenstadt und in die Siedlung Südfeldmark. Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr erhielt die Verbindung am 1. Januar 1980 die Linienbezeichnung 363.

Der Fahrzeugeinsatz auf der Linie 63 war für Omnibusfreunde hoch interessant. Anfang der 1960er-Jahre setzte die Essener Verkehrs-AG ihre zwischen 1960 und 1962 gebauten Krupp-Omnibusse auf der Linie nach Höntrop ein. Später wurde der Wattenscheider Omnibusunternehmer und Otto Lingener als Subunternehmer verpflichtet. Er betrieb in den 1970er- und 1980er-Jahren einen umfangreichen Handel mit gebrauchten Omnibussen. So konnte man auf den von Otto Lingener jun. gefahrenen Kursen über Jahre exotische Fahrzeuge beobachten: vom ehemaligen Bundespost-Hochflurer bis hin zu Vorführwagen der Fahrzeugindustrie.

Das nachfolgende Postkartenmotiv aus dem Jahr 1961 (Verlag Cramers Kunstanstalt, Dortmund – Sammlung Ludwig Schönefeld) zeigt einen Bus der neuen Linie 63 am Kaiser-Otto-Platz in Steele. Eher durch Zufall erwischte der Fotograf den 1960 gebauten Prototyp der Krupp-Serie 3401 bis 3417. Auf dem Beitragsbild sehen wir einen vom Omnibusbetrieb Otto Lingener jun. im Auftrag der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG eingesetzten Mercedes O 305 am 29. Oktober 1983 an der Haltestelle „Höntrop Kirche“ (Foto Ludwig Schönefeld).

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