VON RÜTTENSCHEID

Nach ihrer bereits seit 1897 von Carnap nach Bredeney geführten Stammstrecke und der Linie 9 nach Steele stellt die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft noch vor dem Ersten Weltkrieg eine weitere, später auch für Steele bedeutsame Straßenbahnverbindung in den Essener Süden her:

Am 13. Juni 1914 eröffnet sie die neue Linie 16 von Rüttenscheid über den Stadtwaldplatz zum Stiftplatz in Rellinghausen. Eine Gleisverbindung zur einige Meter entfernten Endstelle der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG gibt es hier gleichwohl noch nicht.

Zum Fahrplanwechsel am 15. August 1920 wird diese Gleisverbindung hergestellt. Die „16“ fährt jetzt über die Gleise des Nachbarbetriebes im Parallelverkehr bis Steele.

Das Nahverkehrsangebot in Rellinghausen wird einige Jahre später nochmals ausgebaut. Vom 1. Februar 1929 an fährt die Essener Linie 3 von der vorherigen Endstelle an der Zeche Ludwig bis zum Bahnhof Rellinghausen. Eine Verbindung zum der nur wenige Meter entfernt liegenden Strecke in der Frankenstraße kann erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Abbruch eines Gebäudes und die Verlegung der Eisenbahnstraße hergestellt werden.

GEMEINSCHAFTSVERKEHR AN DER RUHR

Die gemeinschaftliche Nutzung der Strecke über die Frankenstraße und die Westfalenstraße nach Steele hat nach dem Kauf Verkauf des Steeler Netzes von der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG an die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft weiter Bestand.

Als Ergänzung der Linie 16 kommt seit 1924 die Linie 15 vom Stadtwaldplatz (Haltestelle Heisinger Straße) bis Rellinghausen. Im Wechsel mit der Linie 16 und der Linie 4 der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG fährt sie in den folgenden Jahren auch nach Steele: je nach Fahrplanjahr „tauschen“ die drei Linien in den 1920er- und 1930er-Jahren ihre Endstellen recht häufig. Auf jeden Fall gibt es für den Ausflugsverkehr an die Ruhr in diesen Jahren immer gute Verbindungen.

UMSTELLUNG AUF OMNIBUSSE

Am 15. Mai 1939 werden die Straßenbahnen zwischen der Ausweiche an der Gaststätte „Am Schwarzen Horn“ und Steele durch Omnibusse ersetzt. Als diese infolge der Mobilmachung für den Zweiten Weltkrieg nicht mehr zur Verfügung stehen, kehren die Straßenbahnwagen am 28. September 1939 zurück: Zunächst als Linie E, später dann als Linie 21 und 5: Die Linie 5 bleibt – mit kriegsbedingten Unterbrechungen – vom 1. April 1940 bis zum 25. Juni 1949 auf der Strecke „heimisch“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt die Linie 15 nach Steele zurück. Vom 26. Juni 1949 und dem 10. September 1954 pendelt sie zwischen der Unterstraße in Frintrop und Steele.

In dieser Zeit entstand das Beitragsbild von Ernst-Julius Wolff am Grendplatz. Triebwagen 809 (Gastell 1921-25 mit umgebauten Führerständen) hat sein Fahrtziel in wenigen Augenblicken erreicht. Kurz zuvor konnte der Fotograf bereits Triebwagen 671 an gleicher Stelle im Bild festhalten (Sammlung Gerd Wolff). Der 1930 von der Waggonfabrik Gastell gebaute Triebwagen wurde 1936 aus Wiesbaden übernommen. In Essen war er zunächst unter der Nummer 863 im Einsatz. 1950 wurde er umnummeriert.

SCHLUSS AN DER RUHR

Am 11. September 1955 wird der Straßenbahnbetrieb von Rellinghausen nach Steele schließlich eingestellt.

Für den Betrieb mit Einrichtungswagen entsteht 1957 an der Finefraustraße in Rellinghausen eine bis heute existierende Wendeschleife. Hier enden seit dem Fahrplanwechsel am 23. Juli 1957die aus Essen kommenden Straßenbahnlinien.

Das nachfolgende Foto von Dieter Höltge zeigt die Endstelle Finefraustraße im Jahr 10. April 1969. Damals treffen hier die Linie 5 der Essener Verkehrs-AG und die mit den Betrieben der Stadt Mülheim a.d. Ruhr im Gemeinschaftsverkehr betriebene Linie 11 aufeinander.

Nach der Einstellung der Linie 104 zwischen dem Stadtwaldplatz und Rellinghausen zum Fahrplanwechsel am 1. Juni 1986 und der Verlegung ihrer südlichen Endstelle zur Helenenstraße am 24. Mai 1998 verblieb in Rellinghausen nur noch die bis heute bestehende Straßenbahnlinie 105. Sie wurde zwischenzeitlich niederflurgerecht ertüchtigt.

Zwischen der Schleife Finefraustraße und dem Rathaus Rellinghausen liegt damit das letzte Teilstück der einstigen „Ruhrbahn“ der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG.

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